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SJM: Hi, könntest Du die Band kurz vorstellen?
Ben: Hey, klar das Line-Up ist SAM Vox, Guitar, Keyboards. JIM Bass, Vox, Keyboards, KRIS Guitar, Vox. BEN Drums.
SJM: Könntest Du kurz die Geschichte der Band darstellen? Wann und wo fing alles an? Ihr seid ja schon eine ganze Weile dabei, wie ich gehört habe.
Ben: Ja, uns gibt es jetzt schon ungefähr 10 Jahre. Alles fing auf der High School an als eine Art Scherz. Aber dann entwickelte es sich in etwas, das ein wenig ernster war. Als wir zu touren begannen war Sam gerade mal 14. Bis vor 18 Monaten waren wir eine 3-Mann Band, dann kam Kris dazu und erst mit ihm kam der aktuelle Sound zustande. Viel komplexer und verrückter als vorher. Wir haben schon 4 Albums und unzählige 7'' und splits in den Jahren veröffentlicht, aber wir glauben, dass der neue Stoff besser ist als alles zuvor.
SJM: Wie entstehen Eure Songs, Was inspiriert Euch am meisten?
Ben: Das Songwriting bei uns ist manchmal ziemlich verrückt. Mit drei Brüdern in der Band müssten wir uns dauernd in die Haare kriegen, aber Kris scheint uns vom Streiten abzuhalten. Unsere Inspirationen kommen überall her. Wir schreiben Songs über Dinge die wir auf Tour erleben, in der Musikszene oder im täglichen Leben. Einfach alles was uns, die Band, als Ganzes betrifft.
SJM: Ich habe den Eindruck, Eure Texte sind sehr sozial-/Politisch. Worum geht es darin?
Ben: Ja, gewissermaßen. Als Band geht es uns mehr darum, Veränderungen in der Musikindustrie und in der Musik voranzuteiben, als die Welt zu verändern. Am Ende des Tages wirst du als Band nie die internationale Politik beeinflussen, aber auf einem Konzert hast du in es der Hand, das Gefühl der Leuten ändern. Wenn die Leute sich auf einem unserer Gigs von dem alltäglichen Stress frei machen könnten während sie uns anschauen, dann machen wir als Band das Richtige. Wir hassen den Umstand, dass eine Band über Nacht zu dem riesen Ding gehypt werden kann, egal was sie spielen, oder ob sie überhaupt gut sind, nur weil irgendein Major Label den Massen sagt, dass sie eine bestimmte Platte kaufen sollen. In England will zur Zeit jede Band wie Thursday klingen. Davor wars Nu Metal. TTN geht es darum, unser eigenes Ding machen und uns nicht von den neuen Trends beeinflussen zu lassen.
SJM: Ihr scheit das zu sein, was die Leute DIY nennen. Bitte erklär doch mal,was das für Euch bedeutet.
Ben: Für uns bedeutet das die totale Freiheit, machen zu können was wir wollen!!! Den meisten Bands wird gesagt, was sie zu tun haben. Vom Management, Buchhaltern, Labels, Agenten, PR-Leuten, Tour-Managern und einer Millionen anderer Leute, die die Band umgeben. Wir haben uns entscheiden, dass wir ein besseres Ergebnis erziehlen, wenn wir alles selbst machen und wir sind sehr viel zufriedener, seit wir diesen Weg gehen!! Es fühlt sich an, als hätte man die Kontrolle über sein Leben, anstatt von einer großen Firmen-Maschinerie mitgeschleift zu werden.
SJM: Ihr betreibt das Label "Lockjaw Records". Wie seit ihr dazu gekommen? Was ist die Philosophie des Labels?
Ben: Nachdem wir unser letztes Label verlassen hatten, haben wir uns dafür entschieden. Wir waren alle seit Jahren große Fugazi-Fans und haben gesehen, wie gut es bei denen klappte, ausserdem kannten wir Haufenweise cooler Bands, die ein Label suchten und die mit einem underground/indie-Label arbeiten wollten. Wir hatten den Vorteil, dass wir durch die Band viele Leute kannten, die uns halfen Vertriebs- und Pressekontakte zu bekommen. Die Philosophie des Labels ist es, die besten Platten zu veröffentlichen, die wir können. Natürlich arbeiten wir in unserem Bereich, aber wir würden alles Veröffentlichen, das wir alle mögen und von dem wir denken, dass es gut ist. It's all about MUSIC !!!
SJM: Oft werdet Ihr als Pioniere der britischen Hardcore-Szene beschrieben. Abgesehen von dem was man im NME oder Kerrang lesen kann würde ich gern wissen, ob es große oder wachsende HC Szene in England gibt und ob Ihr Euch als Teil davon fühlt? Ist die Music, die Ihre macht dort angesagt? Was ist mit Bands wie "Kids Near Water" oder "Hell Is For Heroes"?
Ben: Es gibt eine HC Szene, aber die ist sehr geteilt. Alle scheinen mehr darauf zu achten cool zu sein, anstatt Spaß zu haben und gute Musik zu machen. Wir sehen uns nicht gern als Teil irgendeiner Szene. Ich möchte lieber unser eigenes Ding machen und mit allen klarkommen. Du erwähntest Kids Near Water, Simon der Gitarrist ist ein guter Freund von uns und hat eine tolle Einstellung zur Musik in England. Ich glaube er denkt da so wie wir alle. Was Hell Is For Heroes angeht, die Jungs machen eher das große Rockstar Ding, mit riesigen Tourbussen, Crew und Major Label. Ich verurteile die Band nicht dafür, wenn das der Weg ist, wie die Dinge für sie laufen, dann ist das toll, aber es ist nicht der Weg den wir gehen und das wäre auch nichts für uns.
SJM: Wer sind Eure lieblings-Bands/ Musiker ? Wie groß ist deren Einfluss auf Eure Musik?
Ben: Die Liste wäre viel länger, aber At The Drive In, Mars Volta und Sparte als eins, Fugazi, GVSB, Drive like Jehu !!! Viel früher 90er HC wie Minor Threat, Soul Side, Rites Of Spring, das Ganze Dischord Ding. Refused (natürlich). Kris ist der METAL GOTT der Band, er hört Norma Jean, Dillinger, aber ich muss sagen, dass er den weitesten Musikgeschmack hat, den ich je erlebt habe, von Nick Drake bis zu den Daughters und The Locust. Wir veruchen so aufgeschlossen wie möglich zu sein und wir hören uns einiges an, zumindest einmal.
SJM: Wie würdet Ihr selbst Eure Musik beschreiben?
Ben: Also das ist schwer!!! Ich bin nicht wirklich sicher, ich denke sonderbarer Punk Rock HC Jazz. Vielleicht. Tschuldigung das ist nicht sehr hilfreich aber das ist die grausamste Frage die uns je jemand gestellt hat. Andere Leute sagen Post HC aber das war ja nicht die Frage. Also, ich weiss es nicht!!!
SJM: Wie würdest Du das neue Album im Vergleich zu Euren älteren Platten beschreiben? Was hat sich verändert? Ben: Ich meine die neue Platte hat viel mehr Tiefe. Wir haben diesmal versucht mit neuen Ideen und Effekten zu arbeiten. Wir wollten die Grenzen von dem was wir als Band machen erweitern. Die nächste Platte wird wieder einen Schritt weiter gehen. Bei unseren Liveshows verwenden wir jetzt schon mehr Keyboards und Gitarren-Effekte als auf der Platte, das nächste Album wird also ein Experiment für alle von uns. Wir haben jetzt seit ungefähr 6 Monaten darüber gesprochen und nach der Tour dieses Jahr werden wir anfangen daran zu arbeiten.
SJM: Ein Freund hat Euch live spielen sehen und war ziemlich weggeblasen. Würdest Du sagen, dass Ihr eine "Liveband" seid? Meinst Du, die Platte schafft es, Eure Live-Qualitäten einzufangen?
Ben: Wir haben immer gesagt, dass wir eine Liveband sind und wir haben die Live-Show nie auf Tape einfangen können. Die neue Platte ist näher dran, aber sie hat immer noch nicht diese Explosion, die wir live hinkriegen. Ich glaube nicht wirklich, dass wir das jemals auf einer Aufnahme erreichen werden, aber wir betrachten Platten und Liveshows auch als zwei völlig unterschiedliche Dinge. So lange wir zufrieden sind, dass wir aus beidem das beste machen, was wir zur der Zeit können, dann ist das ok. Ich denke wir werden immer versuchen eine Platte zu machen, die all die Energie einfangen kann, aber ich fürchte wenn wir das schaffen, würden wir aufhören, weil wir das nie mehr toppen könnten. Wir glauben als Band daran, dass jede Platte besser sein muss als die letzte, wenn das nicht mehr geht, ist es Zeit aufzugeben!!!
SJM: Wo hattet Ihr bisher das größte Publikum? In welchen Ländern (ausser England) seid Ihr am angesagtesten? Unterscheidet sich das Publikum in verschiedenen Ländern?
Ben: Das Land in dem wir am meisten Leute ziehen ist Malta. Wir waren zweimal da und das letzte mal haben wir an zwei Abenden hintereinander im gleichen Laden gespielt und beide Shows waren ausverkauft. Ein bisschen verrückt für eine Ferieninsel. Die Zeit dort war fantastisch und die Leute waren echt cool!! Unterschiedliches Publikum fällt uns schon auf, aber das passiert sogar von Stadt zu Stadt im gleichen Land. Daher würde ich nicht sagen, dass jedes Land seinen eigenen Style hat, sondern jede Stadt. Ich hoffe das macht Sinn.
SJM: Eure beste und schlimmste Erfahrung auf Tour?
Ben: Die schlimmste Erfahrung war eine Show in "The Garage" in London mit Unsane aus New York. Unser Bus hatte eine Panne und wir mussten wir bis 6 Uhr morgens Hinter dem Laden sitzen und warten, dass wir abgeschleppt wurden. Das schlimmste daran war, dass es Dezember war und es schneite und regnete und wir hatten keine Heizung. Eine sehr fiese Nacht!!!
Die beste Tourerfahrung hatten wir mit Gils Against Boys in Amsterdam. Es war eine höllenkrasse Nacht mit viel zu viel Bier und einer Menge verrücktem Zeug. Es war unsere erste Show ausserhalb von England, da sind wir ein bisschen ausgerastet!!!
SJM: Ihr ward mit "three minute poetry" auf Tour und habt gerade eine Split mit ihnen gemacht. Bitte erzähl mal von Eurem Verhältnis mit den Jungs und wie Ihr Euch kennengelernt habt.
Ben: Wir haben den selben Booker in Deutschland und das erste mal als wir da waren, anfang des Jahres, haben wir eine gemeinsame Tour organisiert. Wir sind alle super miteinander ausgekommen und dachten es wäre eine coole Idee, eine Split rauszubringen! Ich freue micht sehr darauf, im Oktober wieder mit den Jungs in Deutschland zu spielen, wir werden sicher wieder viel Spass haben. Wir sind am 8. Okt. mit ihnen in Köln, da habe ich Geburtstag, das sollte eine große Party werden!!!
SJM: Was haltet Ihr von Filesharing und der Möglichkeit, Musik im Internet herunterzuladen?
Ben: Ich denke MP3 ist ein nützliches Instrument, aber ich sehe, wie es die Plattenverkäufe beeinflusst. Ich denke die Leute, die alle Alben downloaden sind die die schon früher sowieso schon alles nur auf Tapes aufgenommen haben. Die richtigen Musikfans scheinen auch so die Platten zu kaufen.
SJM: Nenne ein paar Alben, die Du zur Zeit gerne hörst. Ben: MARS VOLTA- De-loused in the comatorium,
DRIVE LIKE JEHU- Yank Crime,
POISON THE WELL- (the new one),
AT THE DRIVE IN- Vaya
SJM: Was sind Eure weiteren Pläne?
Ben: Wir planen Touren in Europa im Dezember und im Februar 2004. Ausserdem schreiben wir an der neuen Platte und versuchen das Label zu erweitern. Dazu kommt Werbung für Schows in unserer Heimatstadt und noch eine Millionen anderer Sachen!!!
(Stefan Kersten)
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