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Kurz vor der Deconstruction-Tour konnte man Strung Out am 26.05 noch einmal in Köln in der Live Music Hall bewundern. Dies und die Tatsache des Erscheinens ihres Livealbums der "Live in a Dive"-Serie von Fat Wreck waren also Grund genug, den Jungs diesbezüglich und generell ein paar Fragen zu stellen.
Vor dem Tourbus begegnete ich zuerst Jordan, dem Drummer der Band, der sehr redselig, jedoch auch sichtlich enttäuscht über die geringe Zuschaueranzahl war. "Das ist das erste Mal, dass wir in dieser großen Halle spielen. Vielleicht wäre das Underground doch angemessener gewesen. Außerdem ist für dieses Konzert zuwenig Promotion gemacht worden." Lediglich 30 Karten, die im Vorverkauf verkauft worden waren, schienen im vorerst Recht zu geben. Auch die Tatsache, dass zuerst Thrice als Vorgruppe kurzfristig abgesagt hatten, dann auch noch Five Days Off.
Mein Interviewpartner, Jason Cruz, Sänger der Band kam aus dem Bus und meinte, er müsste kurz rein und noch was erledigen. Jordan meinte daraufhin: "Du hast eine 50/50 Chance, dass er noch einmal rauskommt und das Interview mit dir macht. Normalerweise müssen immer ich und Rob das machen, weil er keine Lust hat." 10 Minuten später kam Jason jedoch und begrüßte mich sehr freundlich.
"Sollen wir uns zum Reden in die Sonne setzen? Wir waren zwei Tage in England und da hat es fast ausschließ-lich geregnet."
Wir setzten uns also raus in den Biergarten und nach einem: "Puh, ist das schön, mal wieder in der Sonne zu sitzen." konnte es auch schon losgehen.
Dennis: Könntest du dich bitte vorstellen und sagen was deine Aufgabe in der Band ist?
Strung Out: Ich heiße Jason und ich bin der Sänger von Strung Out.
Dennis: Kannst du uns einen kurzen Überblick über die Bandgeschichte von Strung Out geben?
Strung Out: Als Band spielen wir schon ungefähr 10 oder 11 Jahre zusammen und befinden uns eigentlich, seitdem wir die ersten 4-5 Platten rausgebracht haben, regelmäßig auf Tour. Und ja, hier sind wir.
Dennis: Wie lief die Europa-Tour bis jetzt? War sie erfolgreich?
Strung Out: Ja, England war sehr gut. Wir haben immer viel Spaß in England. In Deutschland läuft die Tour immer etwas schlechter an, aber die Deconstruction-Tour wird daran hoffentlich was ändern. Wir hoffen auf diese Art Menschen zu erreichen, die vorher noch nie etwas von uns gehört haben.
Dennis: Gibt es irgendwelche Unterschiede vor einem europäischen, vor allem vor einem deutschen, oder einem amerikanischen Publikum zu spielen?
Strung Out: Ich glaube, wenn die Leute erstmal die Musik und den Groove hören, läuft es auf dasselbe hinaus.
Dennis: Vor zwei oder drei Jahren habe ich euch im Underground spielen sehen. Das war eine gute Show, aber ihr schient alle ein bisschen angeschlagen zu sein, weil ihr alle Ärger mit euren Freundinnen hattet. Das habt ihr zumindest dem Publikum erzählt. Wie sieht's damit aus? Alles wieder okay?
Strung Out: Tja, nun, das weiß ich gar nicht mehr so genau. Manchmal sind wir so lange auf Tour, dass wir das gar nicht mehr so genau wissen. Das gehört halt zum Punkrock dazu, das ist der Grund, warum man in einer Punkrockband spielt. Du gehst auf die Bühne und schreist einfach deinen Frust heraus. "It's all about the show, you know." Also so genau weiß ich das gar nicht mehr, vielleicht hatten wir einfach einen schlechten Tag.
Dennis: Was kannst du uns über die Texte von Strung Out sagen? Sind es persönliche Texte, oder sind sie eher politisch orientiert?
Strung Out: Ich denke, sie handeln einfach davon, was in diesen Momenten in unserem Leben passiert. Wir schreiben einfach über alles was gerade anliegt. Wenn irgendwas in der Welt passiert was uns betrifft, schreiben wir darüber. Ich schreibe über alles was mir nahe geht, egal ob es politisch oder persönlich ist. Als Songwriter versuche ich, eine Sensibilität dafür zu entwickeln, was um mich herum vorgeht, nichts spezielles, einfach interessante Geschichten.
Dennis: Meiner persönlichen Ansicht nach handeln die Texte auf "twisted by design" und "the element of sonic defiance" von Problemen wie Depressionen und Dingen, die das betreffen. Liege ich damit falsch?
Strung Out: Nein. Zum großen Teil tun sie das. Vieles handelt davon wie man auf andere Leute wirkt und wie andere auf einen selbst wirken. Ich glaube, dass alle Strung Out Songs davon handeln. Über deinen Platz in der Welt. Zu erkennen wo dein Platz in der Welt ist und das zu hinterfragen. Viele handeln auch einfach davon, deinen Arsch wieder hochzukriegen und weiterzumachen. Die Dinge werden wieder in Ordnung kommen. Ich will mich nicht festlegen und einfach nur über eine Sache schreiben, Ich denke, jeder Song ist Ausdruck einer bestimmten Stimmung und hat seinen eigenen Charakter. Das ist es, was ich bewusst versuche zu erreichen; jedem Song seine eigene Stimmung zu verleihen.
Dennis: Musikalisch hat sich nach "twisted by design" etwas verändert. Eure Musik ist härter geworden und die Melodien waren nicht mehr so ,catchy´ wie vorher. Damit will ich nicht sagen, dass das schlechter wäre, aber nur halt eben schwerer zugänglich. Was ist passiert?
Strung Out: Also, ehrlich gesagt, finde ich dass die Songs eher noch ,catchier geworden sind. Ich weiß nicht, wir sind einfach etwas langsamer geworden nachdem wir ´- wie ich meine - bewiesen haben, dass wir auch schnelle Sachen spielen können. Es macht einfach mehr Spaß, einen guten Song zu spielen oder zu schreiben, ohne dabei die ganze Zeit so schnell spielen zu müssen. Das mit den Melodien ist Ansichtssache. Ich glaube wir sind dahingehend besser geworden, strukturiertere Songs zu schreiben, uns auf Schlüsselstellen zu konzentrieren anstatt einfach nur abzugehen. Wie auch immer, es ist einfach ein natürlicher Entwicklungsprozess. Man verändert sich, man schreibt nicht zweimal hintereinander die gleiche Platte.
Dennis: Was ist das "American Paradox"?
Strung Out: Das ist eine Idee, ein Gefühl das du bekommst wenn du über Amerikas Stellung in der Welt nachdenkst. Einerseits geht es um "we against the world" und andererseits erkennst du, dass du ein Teil dieses ganzen Systems der Welt bist, wie wir die Welt in einer negativen Art und Weise beeinflussen und zugleich würde die Welt ohne uns nicht dieselbe sein. Du kannst nicht leugnen, daß die Welt von uns profitiert. Es ist wie diese "catch 22" Sache. Wie du dich auch entscheidest, es wird die falsche Wahl sein. Eine bessere Lösung gibt es nicht. Wir sind Amerikaner und das ist wie die Welt uns behandelt, und wie wir mit der Welt umgehen. Amerika ist ein komischer Ort im Moment und wir sind eine handvoll Amerikanische Jungs die erkennen, wie stark unser Einfluss auf die Welt ist. Und das ist, so glaube ich, das Paradoxon.
Dennis: Gibt es eine zugrunde liegende Idee, die hinter dem Titel des aktuellen Albums steht? Eine tieferliegende Bedeutung?
Strung Out: In Amerika sind eine Menge Spannungen zu verspüren. Da geht einfach eine Riesenscheiße ab, die du nicht mehr zu kontrollieren vermagst. Im Grunde genommen geht es darum, herauszufinden, wer oder was du bist, hier sind wir und das stellen wir dar. Wie ein Portrait. Ich sage nicht, dass wir richtig oder falsch liegen, die Platte ist einfach das Portrait von fünf Jungs, die in einer Band spielen. Wir schreiben niemandem vor, was richtig oder falsch ist und wir bieten keine Lösungen an. Wir malen lediglich ein Bild.
Dennis: Was kannst du uns über die "live in a dive" Platte sagen? Hat es Spaß gemacht dafür zu spielen, oder war es harte Arbeit?
Strung Out: Es war schon hart für mich. Wir hatten 4 Shows innerhalb von 2 Tagen. Aber es hat auch Spaß gemacht, wir haben mit Chris gearbeitet. Er ist wirklich talentiert und hat das ganze abgerundet. Und das Ergebnis klingt besser als jedes Strung Out Album. Die Platte ist sehr energiegeladen und eben das fehlte den vorherigen. Diese Ungeschliffenheit. Ich persönlich empfinde sie als unsere beste Platte.
Dennis: Was kann man über euren Alltag sagen? Könnt ihr euren Lebensunterhalt mit Strung Out bestreiten? Falls nicht, was macht ihr sonst?
Strung Out: Es ist schon ein full-time Job. Solange wir am Ball bleiben, touren etc. Von einer Band zu leben bedeutet auch gleichzeitig, einige Dinge zu opfern. Und es ist hart, verdammt hart. Aber ich habe mich dafür entschieden. Wenn das Leben einfach wäre, hätte ich nichts mehr worüber ich schreiben könnte. Ich habe nebenbei ein Tattoowierstudio und Rob hat einen Job im Film Business, und wir alle haben irgendwie noch unser eigenes Ding, um unsere Köpfe freizukriegen.
Dennis: So wie ich das sehe, müssten sich in der letzten Zeit einige Major Labels für Strung Out interes-siert haben. Liege ich damit richtig? Oder wird Strung Out auf Fat Wreck "enden"?
Strung Out: Ich glaube, eine Menge Labels haben den Eindruck, dass wir eine "Fuck You - Haltung" zu ihnen einnehmen. Wir sind wirklich verdammt glücklich auf Fat Wreck Records. Fat Mike ist eine total ehrliche Haut. Er ist wie ein Vater für uns, er war zehn Jahre lang unser "business father", er hat uns immer gesagt, was ihm im Kopf rumgeht und war immer ehrlich zu uns. Allein aus dem Grund schon haben wir nie daran gedacht, das Label zu verlassen. Solange unser Verhältnis so gut ist, sehe ich keine Veranlassung, mich anderweitig zu orien-tieren. Viele Bands verlassen ihr Label und kommen zurück, das ist Blödsinn.
Dennis: Wenn ich einen Blick in den Strung Out Tourbus werfen würde, auf was für Musik würde ich stoßen? Welche Art von Musik bevorzugt ihr persönlich? Irgendwelche Favoriten?
Strung Out: Die anderen hören sehr viel Metal. Ich höre eine Menge verrücktes Zeug. Zur Zeit sehr viel Bob Dylan, und ich glaube diese Unterschiede sind es, die uns als Band ausmachen. Ich unterscheide mich da von den anderen und wir inspirieren uns gegenseitig.
Dennis: Ihr bleibt hier, um auf der Deconstruction-Tour mit euren Freunden NOFX und anderen Bands gemeinsam zu spielen. Freut ihr euch darauf?
Strung Out: Oh ja, das tue ich. Definitiv. Ich denke, mit solch etablierten Bands wie Boy Sets Fire und Thrice zusammenzuspielen wird uns in jeder Hinsicht anspornen und besser spielen lassen. Wir brauchen das.
Dennis: Was haltet ihr vom Runterladen von Musik aus dem Internet? Strung Out sind da sehr präsent. Was ist deine Meinung dazu?
Strung Out: Im Prinzip hab ich da überhaupt nichts gegen. Aber ich glaube das ist nicht vergleichbar damit ist, sich eine Platte zu kaufen, sie zu öffnen und das Booklet durchzublättern. Das ist eine Ritual, welches ich persönlich liebe. Aber auf der anderen Seite, gibt es Zeiten, wo ich mich langweile und denke: "Hey, den bestimmten Song musst du jetzt haben, und zack ist er da!" Ich glaube der Lohn davon ist, dass die Leute zu den Konzerten kommen. Solange die Leute zu den Shows kommen, ist das okay.
Dennis: Wie sieht's mit der vorhersehbaren Zukunft von Strung Out aus? Irgendwelche Pläne? Was wird uns erwarten?
Strung Out: Jeder in der Band hat tausende von neuen Songideen. Also wird unsere nächste Platte wohl verdammt gut werden. Es wird definitiv die beste Platte werden, das weiß ich genau. Das habe ich einfach im Gefühl. Ich weiß, dass ich die Ideen für eine großartige Platte in meinem Kopf trage und wir sind alle sehr enthusiastisch, diese Ideen umzusetzen. Wir haben eine Menge aus den Aufnahmen zu "American Paradox" gelernt und wir werden uns wieder verändern. Das ist alles was ich dazu sagen kann.
Dennis: Eine Botschaft an eure Deutsche Fangemeinde?
Strung Out: Mehr zu den Leuen, die immer zu unseren Shows kommen. Die wissen, dass wir das sehr zu schätzen wissen. "Styles come and go" und die Leute suchen sich ihre Favoriten raus und bleiben ihnen treu. Und ich möchte jedem, wirklich jedem danken, der uns ausgewählt hat und uns unterstützt.
Meiner Ansicht nach war Jason ein sehr angenehmer und auch interessierter Interviewpartner. Nach dem Interview saßen wir noch etwa eine halbe Stunde draußen und redeten über Gott und die Welt. Dann fing auch schon die Vorband an zu spielen. Ein sehr sympathischer Frontmann also, dem man auch anmerkte, dass er sich über viele Sachen Gedanken macht und alles andere als oberflächlich ist. Ein Satz aus unserem Gespräch hinterher ist mir noch im Gedächtnis geblieben und soll an dieser Stelle als Schlusssatz dienen. Denn ich halte ich ihn als sehr zutreffend.
"One part of me thinks that music should be an escape from the world. But at the same time you must confront it, too."
(Dennis Grenzel)
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