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Über Slapshot braucht man, glaube ich, nicht mehr allzu viele Worte zu verlieren. Die Erfinder des Boston-Hardcore, sei fast 20 Jahren unterwegs und immer noch kein bisschen müde, um mal eine derbe ausgelutschte Phrase zu dreschen.
Dass mit ihnen immer noch zu rechnen ist, beweist das kürzlich erschienene Album Digital Warfare, auf dessen Besprechung ich hier hinweisen möchte, das in dieser Form eigentlich
fast schon überraschend kompromisslos und lebendig klingt, da die Zeiten nicht immer leicht waren in der Karriere von Slapshot. Ihr Schicksal war schon immer sehr mit europäischen Boden verbunden, so dass eine kürzliche Tour auch durch unsere Breiten
sehr angenehm verlief. Gelegenheit genug, mal nachzufragen, was die Band so bewegt.

Sweet Jane Music: Zuerst die Standardfrage: Stell Dich doch mal bitte kurz vor und erzähl uns, welchen Part in der Band Du übernimmt.
Chris: Ich bin Chris, der Bassgitarrenspieler.
SJM: Wie war die Europa-Tour für Euch? Wenn man die Geschichte von Slapshot betrachtet, scheint Europa immer eine große Rolle im Leben von Slapshot gespielt zu haben. Wie siehst Du das und wo ist Euer Lieblings-Spot?
Chris: Die Tour war großartig. Wir alle nehmen bedeutende Teile innerhalt der Band ein, ich selbst mache einige Managerbusiness-Dinge und bin auch am Songwriting beteiligt. Was das Touren in Europa angeht, sind uns am wichtigsten Berlin (hört man gern - Anm. d. Red.) und einige Orte in Holland und Belgien.
SJM: Glückwunsch zur neuen Scheibe "Digital Warfare". Das ist wohl die Oldschool-Platte, die jeder erwartet hat. Wie steht ihr dazu, immer noch nach fast 20 Jahren Bandgeschichte einen solchen kompromisslosen Sound zu fabrizieren?
Chris: Sehr gut, das ist, was wir machen und vermutlich auch das einzige, was wir können. Das ist einfach unser Naturel.
SJM: Der Titeltrack von "Digital Warfare" handelt von dem, was als "CNN-Krieg" bekannt geworden ist, wo der Gegner nicht mehr als Mensch wahrzunehmen ist, sondern nur als Pixel auf dem Bildschirm ("JUST DOTS ON YOUR
COMPUTER SCREEN"). Der aktuelle Krieg im Irak hat auch so angefangen und heute kommen dort jeden Tag amerikanische Soldaten um, so ungefähr einer pro Tag und die Rate scheint anzusteigen. Wie stehst Du zum "war on terrorism" im Allgemeinen und zum Einmarsch der US-Truppen in den Irak ?
Chris: Das ist ein ziemlich komplexes Thema. Ich fürchte, wir sind da reinmarschiert ohne einen richtigen Plan, wie man da auch wieder vernünftig rauskommt. Es war sehr offensichtlich, dass
dabei nur der Guerilla-Krieg rauskommen konnte, der rausgekommen ist. Grundsätzlich befürworte ich die Intervention im Irak, aber man hätte das schon geschickter
anstellen können. Wenn die Amerikaner schon die Weltpolizei spielen, dann nicht im Alleingang. Viele Länder bekämpfen Terrorismus jetzt seit Jahren (inklusive Deutschland), die USA sind diesem Kampf jetzt einfach beigetreten.
Aber um den Kampf zu gewinnen, muss man die Ansichten des Gegenübers ändern und nicht seine Häuser zerstören.
SJM: In Europa gab es eine große Koalition gegen den US-Krieg im Irak. In vielen europäischen Ländern ist es
sehr populär, alles aus Amerika zu kritisieren abgesehen von Mode, Musik und Filmen. Zum Beispiel sind die Bücher von
Michael Moore sehr populär zurzeit. Wie stehst Du dazu und gibt es einen Teil Deines Landes, das Du magst und auf das Du stolz bist?
Chris: Ich bin stolz auf eine ganze Reihe von Errungenschaften, die wir Amerikaner erreicht haben. Michael Moore ist ein brillianter Autor und Filmemacher, auch wenn ich nicht immer mit dem übereinstimme, was er so zu sagen hat. Aber es ist schon gut, dass er
ein Forum hat und jemand wie ich die Möglichkeit, ihm zuzuhören, wenn ich das will. Die EU kritisiert immerzu und die USA sind so ein großes Land mit sovielen
Ansichten und Initiative, da müssen einfach einige kritisiert werden. Ich bin auch nicht immer der Meinung der US-Regierung oder finde gut, was sie machen,
aber macht´s erstmal besser, bevor ihr kritisiert. Die EU hat ein kurzes Gedächtnis. Vor 60 Jahren waren es die Amerikaner, die Europa vom Faschismus befreit haben, aber offensichtlich
ist das schon Vergangenheit und zählt heute nicht mehr. Kein sehr populärer Gedanke.
SJM: Worum geht es bei Eurem Song "the last laugh" und wovon wurde er inspiriert? Fühlt Ihr Euch immer noch wohl mit solchen Battlelyrics nach fast 20 Jahren oder erwarten das einfach die Leute von Slapshot ?
Chris: Er handelt davon, verarscht zu werden und dafür Rache zu nehmen. Die Leute erwarten sowas.
SJM: Slapshot sind einer DER oldschool Hardcore Bands. Was hältst Du von modernen Hardcorebands und der Entwicklung von Hardcore im Allgemeinen? Warum glaubst Du wollen die Leute immer noch den Oldschool-Sound? Hörst Du selbst aktuelle Hardcore-Scheiben?
Chris: Es gibt KEINE aktuellen Hardcore-Bands. Es gibt Bands, die machen das großartig, was sie machen und nennen sich Hardcore, aber sie sind es nicht. Sie lassen eine Menge Komponenten vermissen, die zum Hardcore dazugehören.
SJM: Wie läufts mit Bridge 9 (US) und I Scream (EU)?
Chris: Das beste, was uns passieren konnte.
SJM: Hierüber diskutieren wir oft. Wie denkst Du über das Internet und die Musik? Wie über filesharing?
Chris: Von Slapshots Standpunkt aus sollten die Plattenfirmen das Internet lieber als Chance sehen, als es zu verdammen. Eine Band von unserer Größe profitiert nur vom filesharing, weil mehr Leute unsere Musik zu hören bekommen und dann zu unseren Shows kommen.
Sweet Jane Music: Noch einen leichten zum Schluss: auf welche Platte freust Du Dich zurzeit am meisten?
Chris: Die nächste Slapshot natürlich !
Soviel von unseren Lieblings-Boston-Hardcore-Helden. Macht nicht den Anschein, als müssten wir uns um sie Sorgen machen, ich bin sicher, da geht noch einiges zum 20sten und darüber hinaus.
Slapshot wie sie leiben und leben.
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