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SJM: Kannt du dich und deine Bandkollegen bitte mal vorstellen und sagen, was für eine Rolle sie bei den Ataris spielen?
Mike: Ich bin Mike und spiele Bass. Unser Sänger und Gitarrist heißt Kris, der Schlagzeuger Chris, aber wir nennen ihn alle `Kid`, weil er so jung war, als er in die Band kam und mein zweiter Mann an der Gitarre heißt John. Uns gibt es jetzt seit 8 Jahren und zu der Zeit war `Kid` wirklich noch ein Kind. Jetzt ist er zwar 26, aber immer noch eins.
SJM: Zweite Standardfrage. Was gibt es über die Bandgeschichte der Ataris zu sagen? Wann und wo begann alles?
Mike: Das ging vor ungefähr 8 Jahren los, und zwar in Santa Barbara, California. Kid , Kris und ich waren schon befreundet. Kris ist dann von Indiana nach Santa Barbara gezogen, wo ich auch herstamme. Wir haben uns alle dort getroffen, haben alle in unterschiedlichen Bands gespielt und haben dann rausgefunden, dass unsere musikalischen Ideen und Ideale gut zusammenpassen. Wir wollten dann einfach zusammen Musik machen und das tun wir jetzt seit 8 Jahren und das klappt. John spielte vorher auch in einer anderen Band, ist aber dann, etwas später als die anderen - auch an Bord gewesen.
SJM: Wie entsteht ein typischer Ataris-Song? Sind das immer die gleichen Prozeduren oder variiert das?
Mike: Es gibt da zwei Wege, wie wir "So long, Astoria" geschrieben haben. Der erste besteht darin, dass Kid, John und ich in Santa Barbara unterwegs sind. Wir haben da einen Proberaum und probieren da ständig neue Sachen aus. Andererseits ist da Kris und er fährt immer mit einer Akustikgitarre durch die Gegend und hat andere Ideen. In beiden Fällen kommen wir dann zusammen. Wir tauschen uns dann gegenseitig aus, arbeiten an den Songs und letztendlich schreibt dann Kris die Texte dazu.
SJM: Wie war die Europa Tour bis jetzt? Erfolgreich?
Mike: Ja, total. Europa ist da super. Das ist das fünfte Mal, dass wir hier in Europa und das dritte Mal, dass wir in Deutschland unterwegs sind. Es ist harte Arbeit, aber uns macht es auch ´ne Menge Spaß. Das sind hier größtenteils Clubkonzerte mit einer Bühne, auf die auch die Fans Zutritt haben. Ich liebe das. Wir spielen auf dieser Tour Songs, die wir schon lange nicht mehr gespielt haben. Und das macht Spaß. Wir stehen nicht unter Druck und müssen hier keine ´big show´ abliefern. Wir haben auch auf einer Menge Festivals gespielt, wie z.B. dem Puckelpop und das hat auch eine Menge Spaß gemacht. Ja, das hier ist wirklich eine super Tour und wir haben eine gute Zeit zusammen.
SJM: Lass uns die Ataris von vor ein paar Jahren mit den jetzigen Ataris vergleichen. Was hat sich deiner Ansicht nach in dieser Zeit verändert?
Mike: Ich denke, dass der Zugang von John vor 2 ½ Jahren ein großer Einschnitt war. Vorher haben wir die Musik immer zu dritt geschrieben. Und mit John ist da jetzt noch ein vierter Mann, der am Songwriting beteiligt ist und seine Ideen beisteuert. Das hat uns allen geholfen, besser zusammenzuarbeiten.
Außerdem ist es so, dass wir erwachsener geworden sind. Schau dir die früheren, "sillier" Platten an mit der noch recht einfachen Musik. Wir sind jetzt seit 8 Jahren zusammen und haben uns zu einer richtig guten Rockband entwickelt.
SJM: Viele Leute in der Szene meinen, es wäre ein ´Regelbruch´, vom kleinen Label zur großen Industrie zu wechseln. Was würdest du denen sagen?
Mike: Ich glaube , dass das mittlerweile überhaupt keine Rolle mehr spielt, auf welchem Label du bist. Das war definitiv noch so, als man noch Ideale etc. über Bord werfen musste, wenn man auf einem Major gelandet war. Und Rancid, die Ataris und die vielen anderen Bands: Sie sind alle auf Major-Labels. Der Dreh- und Angelpunkt ist der, wie du mit deiner Band damit umgehst. Uns sagt zum Beispiel keiner, was wir zu tun und zu lassen haben. Aber es gibt Bands da draußen, denen die Plattenfirma noch sagt: "Ihr müsst das anders machen und euch verändern." Und wenn eine Band das mit sich machen lässt, dann nenne ich genau DAS ´selling out´. Das ist also keine Frage des Labels.
SJM: Ich habe in einem Bericht gelesen, dass die Ataris eine 100%ige Liveband sind und das euch das ganz schön an die Nieren geht und ihr auf Dauer nicht zurecht kommt, wenn ihr zu Hause seid. Warum das?
Mike: Total, ja. Wir sind jetzt seit 8 Jahren zusammen und in den letzten 6 Jahren waren wir ständig unterwegs, und wenn nicht, dann haben wir gerade an einer Platte gearbeitet. Und es war schon fast eine Zumutung, als Sony sagte, wir sollten doch zu Hause bleiben und die nächste Platte schreiben (Anm. der Red.: siehe vorherige Antwort). Da wachst du jeden, wirklich jeden Morgen in der gleichen Stadt auf und wirst von der Routine aufgefressen. Ich weiß nicht, was aus uns werden würde, wenn dieses Touren jemals aufhören sollte. Das wäre schlimm. Wir müssen definitiv ständig auf Tour sein.
SJM: Ich lasse mal den Hobbypsychologen raushängen. Wenn man sich die Texte zu eurer letzten Platte durchliest, könnte man ja eigentlich behaupten, dass das Touren eine Art Flucht für euch ist.
Mike: Unser Art zu leben ist definitiv Flucht. Das war vorher nicht so, als wir noch alle in festen Arbeitsverhältnissen gestanden haben, aber seitdem wir von der Musik leben können, hat sich dieses Fluchtmoment langsam eingeschlichen und ist jetzt zu einem großen Teil unseres Lebens geworden. Eigentlich ist es eher ´lifestyle´ als Flucht.
SJM: Wie man eurer Bandinfo entnehmen kann, ist Kris, um die Texte zu schreiben, wirklich durch die Städte gefahren, an Orte, die eine zentrale Bedeutung in seinem Leben hatten und haben. Und vor diesem Hintergrund hat er dann seine Texte geschrieben. Da kann man ja fast wirklich sagen, dass "So long, Astoria" einem Tagebuch ähnelt oder sogar eins ist.
Mike: ... wie all unsere Platten, würde ich da sagen. Es war so, dass, als Sony ankam und uns sagte: "Bleibt mal zu Hause und schreibt das beste Album eures Lebens.", Kris wirklich überlegt hat, wie seine Entwicklung verlaufen ist von dem Tage an, wo er geboren wurde bis zu dem Moment, wo wir auf Sony gelandet sind. Es war das erste Mal, dass wir wirklich eine Pause gemacht haben und uns auch die Zeit genommen haben, um zu reflektieren. Auf den ersten Platten geht es um das Touren und um Beziehungskisten. Eigentlich wie heute. Wir schreiben über das, was wir gerade zu dem Zeitpunkt erleben.
SJM: Wie fühlt sich das an, das Tagebuch, diese ganzen persönlichen Dinge vor einer riesigen Menschenmasse auszubreiten? Geht das in Ordnung für euch?
Mike: Für uns ist das definitiv in Ordnung. Unsere Fans kennen uns und wissen, dass wir immer eine recht enge Beziehung zu ihnen hatten und noch immer haben. Ich glaube, dass ihnen das hilft, uns besser zu verstehen. Ich telefoniere jeden Abend mit Amerika und erzähle den Kids zu Hause, was hier in Europa vor sich geht. Das ist so, als ob sie mit uns auf Tour wären. Dies ist wieder eine Frage, wie man das mit der Band anstellt. Wir versuchen, sie soviel wie möglich daran teilhaben zu lassen.
SJM: Auf der einen Seite sagt ihr, dass "So long, Astoria" von den Texten her keine "depressive" Platte wäre, auf der anderen Seite finden sich da Textzeilen wie zum Beispiel: " Being grown up isn't half as fun as growing up." Wie passt das zusammen? Es hört sich so an, als würdet ihr eure Jugend beiseite legen und erwachsen werden...
Mike: Zuerst einmal. Unser Leben ist einzig und allein ein Widerspruch. Wenn wir sagen: "Wir machen das so und so." machen wir letztlich doch das Gegenteil. Wieder das Thema. Auf der einen Seite wollen wir natürlich erwachsen sein, auf der anderen Seite wollen wir viel in der Gegend rumreisen und Hotelräume zerlegen wie Rockstars, jugendliche Rockstars. Schau dir die Ataris doch mal an. Wir sind doch dauernd unterwegs und da wäre noch dieser ´lifestyle´. Eigentlich können wir gar nicht richtig erwachsen werden.
SJM: Ist das Schreiben von Songs und Songtexten Selbstzweck oder wollt ihr damit etwas vermitteln, eine bestimmte Intention verfolgen?
Mike: Nun, ich glaube, dass wir das tun. Selbstzweck reicht da nicht. Das ist der Grund, warum wir so engen Kontakt zu unseren Fans pflegen, der Grund, warum wir immer auf Briefe antworten. Nimm heute Abend. Jeder kann zu uns kommen und mit uns reden. Wenn das nicht genug ist, weiß ich nicht, was.
SJM: Musikalisch gesehen ist "End is forever" mehr Punk als "So long, Astoria". Ich denke, dass das aktuelle Album melodiöser ist und mehr Pop-Appeal hat. Eine ganz natürliche Entwicklung?
Mike: Ja, natürlich. Ich denke, dass Songs wie "teenage riot" und "you need a hug" nur eine Vorstufe zu unserem jetzigen Album darstellen. Das waren nur ´previews´. Und wir haben uns irgendwann entschieden, diese Phase hinter uns zu lassen und seriösere Dinge anzusprechen. Das neue Album steht also symbolisch für den Erfolg, in einer Band aufzuwachsen und aufzugehen.
SJM: Was können wir von den Ataris in der nächsten Zeit erwarten? Was für Pläne habt ihr? Was wird geschehen?
Mike: Wir sind Reisende. Und dieser ´lifestyle´, von dem ich die ganze Zeit rede, hat uns hungrig gemacht. Es ist so, dass wir fast die halbe Welt gesehen haben. Jetzt wollen wir sie halt eben ganz sehen. Montag fahren wir aber erst mal für eine Woche nach Hause, nach Santa Barbara. Dann geht´s auf nach Neuseeland, Australien und dann geht´s auf direktem Wege zur Ostküste der USA, um dort eine Tour zu spielen, und dann Kanada. Wir werden auch wieder nach Deutschland kommen. Das wird Januar oder Februar nächsten Jahres sein. Und hoffentlich werden wir mal Shows in Russland, Skandinavien und Island spielen. Oder Hongkong.
SJM: Okay, Mike, danke dir. Ein letztes Statement für die deutsche Fangemeinde?
Mike: Kommt einfach alle auf ataris.com oder ataris.de. Von da aus kommt man auf Fanseiten oder landet dann wieder auf unserer Hauptseite. Ihr könnt jedem von uns mailen, wem auch immer. Schreibt Briefe und besucht unseren Plattenladen in Santa Barbara. Das war´s.
(Dennis Grenzel)
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