cover demnächst Tomte - hinter all diesen Fenstern
Bewertung:
Bewertung

Label:

Grand Hotel van Cleef

Released:
29.4.2003

Stil:
Indiegeheule

Das Hamburger Label Grand Hotel van Cleef wurde geboren aus einer Not. Vom Wunsch beseelt, unabhängige Musik auch unabhängig zu verlegen, wurde von ein paar Hamburger Jungs das Label ins Leben gerufen. Der erste große Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mit einer Band namens Kettcar, die aus den Überresten von einer anderen Band namens But Alive emporstiegen, veröffentlichte das Label im Jahr 2002 deren Debütalbum, das viele Hörer in ihrem Innersten berührte und demnach auf ihren Bestenlisten des letzten Jahres weit vorne wiederzufinden ist. Das Album bestach durch poppige Indiesongs und deren vielschichtigen Geschichten aus dem Gefühlsleben eines Mannes, die für viele nachvollziehbar waren. In die gleiche Kerbe schlagen Tomte mit ihrem dritten Album "Hinter all diesen Fenstern". Lang erwartet und mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht liegen jetzt die zehn Tracks vor. Ganz klar lebt die Scheibe von den Texten des Thees Uhlmann, die bilderreich bestückt den Begleitsound in den Hintergrund drängen. Es geht um Selbstreflexion, zwischenmenschliche und -tierische Beziehungen ("endlich einmal") und das Eingeständnis, dass auch echte Kerle heulen können. Vermutlich könnte man sehr viel analysierendes über die Lyrics schreiben, wie das auch allerorts der Fall ist, aber da wir ein Rock-Magazin sind und nicht der literarische Zirkel und zudem unsere Besprechungen selten länger als 20 Zeilen lang sind, lasse ich das hier. Die Musik dazu plätschert nett dazu vor sich hin. Ein prima Album für den Einstieg in den Frühling und den nicht selten damit verbundenen Gefühlsausbrüchen. Allerdings gibt es auch etwas zu meckern. Der größte Pluspunkt ist gleichzeitig auch das größte Manko. Durch die Tatsache, dass hier zu 100% auf den Gesang gesetzt wird, ist der, der damit nicht so klarkommt, schnell der Sache überdrüssig. Außerdem ist der Herr Uhlmann vermutlich nicht der größte Barde aller Zeiten, er tendiert dazu, jeden Song auf die gleiche theatralische Art zu intonieren, was auf die Dauer doch den Wunsch nach Abwechslung erweckt. Hier rächt es sich, dass die Musik zur Nebendarstellerin degradiert wurde. Hier hätte etwas mehr Biss gutgetan. Vielleicht liegt hier auch der Hund begraben, der den Unterschied zu einer Champions League-Platte wie Kettcars "Du und wie viel von Deinen Freunden" ausmacht. Dort der knarzige Punkrockhintergrund, hier nur tocotronikeske Variationen. Aber das sind Feinheiten, über die jeder selber zu entscheiden hat.
(Elmar)

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"schreit den namen meiner mutter"
(Hier gibt es einen ´geheimen´ Bonustrack, nämlich ´Bastarde´ in einer Akustik-Version. Kennwort ´Tomte´, Passwort ´qwertzui´.")