Bewertung:
Label:
lŽAge dŽOr / Day After Records (Vinyl)
Released:
24.03.2003
Stil:
Future-Soul-Punkrock mit Orgel
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Eigen und schwierig. Diese beiden Worte fallen mir bei The Robocop Kraus aus Nürnberg sofort
ein. Das waren sie auf ihren bisherigen Longplayern. Mit ihrem aktuellen Album "living with
other people" ändert sich daran nichts. The Robocop Kraus bleiben ihrem Stil treu, jedoch mit
einem Unterschied: Mit dem neuesten Werk wirken The Robocop Kraus zugleich
experimentierfreudiger und "reifer".
Dass das ein Album wird, das nicht direkt beim ersten Hördurchgang zündet, war schon vorher
klar. Klar ist auch, dass man mit solchen Alben am meisten und auch am längsten Freude hat.
Vom Opener "fake boys" wird man dann allerdings doch zunächst sehr eingängig empfangen, gleichzeitig wird die ganze
musikalische Spannbreite der Band repräsentiert. In einen Hymnischen Song
mischt sich ein immer
gleichbleibender Ton, der durch ein Gitarreneffekt erzeugt wird und später durch die Orgel
unterstützt wird. So kommt der Refrain dieses Songs einer Erlösung gleich, denn hier fügt
sich dieses monotone, zuerst nervende Moment in die Musik ein. Und dieser erlösende Refrain
wird durch einen Klarinettenlauf wieder zum Einbruch gebracht.
"Fashion", welches man sich auch als mp3 runterladen kann, lässt sich ähnlich
charakterisieren. Das Lied, hymnisch mit einem Bein in den 80ern mit dem anderen im Postrock, das wieder durch
irgendeine Ungereimtheit, zuletzt "durch das Können der Musiker" selbst, zerstört wird.
The Robocop Kraus hinterlassen eine ambivalente Grundstimmung beim Hörer. Genervt von
Disharmonien möchte man das Album nach dem ersten Hördurchgang wieder ins Regal stellen und
nie wieder hervorkramen, auf der anderen Seite kratzt die Musik ganz schön an der seelischen
Oberfläche und will einen einfach nicht in Ruhe lassen. Zwingende Melodien, Refrains die nicht loslassen.
Der schräge Grundton, der dabei die ganze Zeit mitschwingt, macht das Album so spannend.
Die Band zeigt sich sehr experimentierfreudig, mal Rhythmussektion, mal der Gesang variieren stark.
Mal singt Thomas Lang alleine, wird die ganze Band zum Gesang gebeten und die Refrains hören sich
fast an wie ein Chor.
Begleitet wird das Ganze durch ein - wie sollte es anders sein - unkonventionelles
Gitarrenspiel, 80er Keyboards und einen Bass. The Anniversary, Clash, The Faint, The Cure, Duran Duran.
80er, Emo, Postrock. Das sind die Koordinaten, in denen sich diese Platte bewegt und damit
eine große Bandbreite abdeckt.
Trozdem wird hier nicht einfach kopiert, sondern mit den verschiedenen Elementen immer
wieder enorme Spannung
aufgebaut, um dann mit Einsetzen des Gesangs wunderschöne hymnische Melodien zu bilden.
Ebenso Retro wie Innovativ. Gekonnt. Alles gewollt. Das hört man. Auch könnte man fast meinen
"living with other people" spiele mit dem Hörer, würde seine Nerven bis zum Zerreißen
anspannen, um ihn dann zu umarmen.
Ein durchaus komplexes Album, welches sich erst nach mehreren
Hördurchgängen entfalten kann. Ich unterstelle diesem Album Tiefgang, ohne, dass der Rock
außen vor gelassen wird. Zu keiner Minute wird es langweilig.
Die Energie bei Liveshows dieser Band sprechen für sich und dürften selbst den
Zurückhaltendsten überzeugen und mitreißen. Diese 5 Jungs werden ihren Weg machen. Und zwar
ihren eigenen. Großartig.
(Dennis Grenzel & Stefan Kersten)
Label
Band
MP3 Downloads:
"fashion"
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