cover demnächst Nine - killing angels
Bewertung:
Bewertung

Label:

Burning Heart Records

Released:
15.09.2003

Stil:
erdig-krachiger Schwedengitarrenrock

Manche Dinge verändern sich nie. Oder nur geringfügig. So auch Bandentwicklungen. Stillstand? Wenn ja, gewollt oder ungewollt? Diese Frage stelle ich mir bei des neuesten Longplayers von Nine, welcher sich "killing angels" nennt. Mit "kissed by the misantrophe" wurde 1999 das Debutalbum und mit "lights out" 2001 das Nachfolgewerk veröffentlicht. Die 4 Schweden haben sich in der Zeit zwischen den Studioaufenthalten nie viel Zeit für sich genommen. Nine waren ständig auf Tour und sind heute eine der beliebtesten Live-Bands überhaupt im schwedischen Rockpool. Nine zeichneten sich immer durch erdigen, krachigen, brachialen Gitarrenrock aus. Tiefergestimmte Gitarren, eine sehr kehlige Stimme waren und sind das Markenzeichen der Band. Mit "killing angels" hat sich daran auch nichts geändert. Man könnte sagen: "Ein solides Nachfolgewerk." Solide ist meiner Meinung nach hier eher als genauso positiv wertend gemeint, wie es sich anhört, nämlich überhaupt nicht.
Nine haben schon mehrfach mit guten Melodien geglänzt, die ihnen auf dem Weg zu diesem Album irgendwo abhanden gekommen sein müssen. Die aus 10 Stücken bestehende Platte beginnt mit "inferno", welches nicht - wie das erste Stück beim Vorgängerwerk - langsam eingefadet wird, sondern geht, primitiv ausgedrückt, direkt in die Fresse. Hier wird direkt alles verpulvert. Nein, auch falsch, Pulver zum Verschießen haben Nine genug, aber es wird nicht gemäßigt eingesetzt und so soll es wohl auch sein. "Euthanasia" macht genau da weiter. Wenig überzeugende Strofe und der Refrain, dann wieder genau in die Eier. Schon ordentlich rockend, aber ohne Stil. "Watching the train go by" überrascht da ebenso wenig. Zu verleugnen ist aber nicht, dass Nine mit ihrem Gitarrenteppich so sämtlich alle Bands dieses Genres auf die hinteren Ränge verweist. Der Sound ist so dicht und die Wand so dick, dass kein Durchkommen möglich ist. "Killing Angels macht schon Spaß, wird nur auf Dauer verdammt langweilig und den Gesang möchte ich auch nicht den ganzen Tag hören, obwohl er ideal zu dieser Art Musik passt. Einmal überraschen mich Nine jedoch auf "killing angels", nämlich mit dem Song "anxiety report", der anfangs nur von 2 Akkorden getragen wird und dann in einer Strofe mündet, die durch einen gesungenen, nicht geschrienen, sehr effektbeladenen Gesang überrascht. Dieser Song ist sozusagen "die Ballade" dieser Platte. Hinterher wird zusätzlich zu diesem Gesang natürlich gebrüllt, als ob es keinen Morgen mehr gäbe, doch mit diesem Song schaffen es Nine, bei mir an der Oberfläche zu kratzen und, ja, dieser eine Song hat tatsächlich Ohrwurmcharakter. Melancholisch, traurig, tragisch. Aber atmosphärisch. Mit 3 Stücken metalbeeinflusstem Moshcore schließt dann auch dieses Album so wie es begonnen hat.
Auf dem letzten Stück "them" darf dann der befreundete Frontmann von Entombed auch mal ein paar Textzeilen zum besten geben. Wer geballte Energie und aufgestaute Wut braucht, dem seien Nine hiermit ans Herz gelegt, denn die Platte besitzt davon ein enormes Freisetzungspotenzial. Eine hochdosierte Platte jedenfalls. Würde mehr mit guten Melodien und vielleicht nur ein bisschen Variation im Gesang gearbeitet, so hätte mich dieses Album vielleicht genauso überzeugt wie "anxiety report". So allerdings gibt´s nur einen Platz im Mittelfeld. Ich reagier´ mich jetzt erst einmal ab. Ob Nine wohl schon mal in L.A. gespielt haben?
(Dennis Grenzel)

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MP3 Downloads:
"euthanasia"

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