Bewertung:
Label:
Huck's Plattenkiste
Released:
15.9.2003
Stil:
emotionaler Punk
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Dreienhalb Jahre nach dem letzten vielbeachteten Album bescheren uns "Rheines Hot Water Music" Muff Potter nun wieder 14 neue Stories von der Bordsteinkante, die in kompletter Eigenregie entstanden sind. Dass dieses Prinzip, frei von Labelpolitik und jeglichem Druck zu arbeiten große Resultate bringt, hat man ja letztes Jahr schon bei Kettcar gesehen. Und auch hier zahlt sich der Mut aus. Muff Potter machen mit diesem Album einen riesen Schritt nach vorne. Die alten Stärken, die bratzigen HC Gitarren, die trotz des cleaneren Sounds noch mehr Druck machen, der raue Gesang von Nagel, der dem ganzen einen besonderen Charakter verleiht und die ehrlichen Texte sind geblieben. Gleichzeitig haben sich die Potters dem Pop geöffnet, sind musikalisch weiter gegangen und haben neue Sounds zugelassen. Keyboards, Streicher, Frauengesang, alles darf, wenn's hilft. Und es hat geholfen. Die Songs sind zugänglicher, kompakter aber auch vielschichiger geworden. Das merkt man allerdings erst nach mehreren Runden auf dem Muff Potter Karussell. Die Platte täuscht auf dem linken Fuß Gefälligkeit an, spielt Dich locker gegen Dich selbst aus, packt Dich, haut Dir in die Fresse um Dich dann wieder versöhnlich zu umarmen. Nach anfänglicher Begeisterung über die schönen Melodien, war ich zwischeinzeitig fast genervt, nur um seit dem völlig Begeistert zu sein. Die eigene Stimmung bestimmt eben auch die Gefühle, die dieses Album erzeugt. Nah am Leben, sind die Texte immer sehr treffend, unbequem, mal hintergründig mal plakativ, mal gemein und wütend, mal schön. Und wenn man die verdaut hat und aufhört nachzudenken, zu überlegen und zu vergleichen und einfach zuhört, dann erst merkt man, welche Tiefe die Songs von Muff Potter durch die zugelassenen Neuerungen erreichen. Da stecken so viele Ideen, Facetten und Harmonien drin, die zunächst gar nicht auffallen. Trotzdem klingt hier nichts überladen, sondern eingänger, zwingender und mehr auf den Punkt als früher. Und nach den ersten Durchläufen offenbart sich sowohl musikalisch als auch textlich immer wieder neues, das es zu entdecken gilt. Seit Tagen kreisen Fragmente der Platte in meinem Kopf und das ist erstaunlicherweise manchmal nur nervig und manchmal richtig geil. Genau diese Ambivalenz ist es, die diese Platte groß macht. Die einen am Ball bleiben lässt bis man sich dieses Album Stück für Stück erschliesst. Und man wächst hinein, oder umgekehrt. Am besten zu beschreiben mit den Worten der Band: geile Mixkassette, geile Achterbahn. Sowas können in Deutschland nur ganz wenige. Kettcar haben das letztes Jahr gemacht, jetzt ist die Stunde von Muff Potter. Gewonnen. Bitte. Es gibt dieses Jahr keine bessere deutschsprachige Rockplatte.
(Stefan)
Label: -
Band
MP3 Downloads:
auf der Bandseite gibt's ab dem 7.9.03 zwei Songs zu hören
Specials:
Interview mit Muff Potter vom 03.09.03
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