Bewertung:
Label:
EMI
Released:
5.6.2003
Stil:
bedarf wohl keiner Beschreibung
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Über Metallica zu schreiben, ist eine schwierige Aufgabe. Wie vermutlich bei vielen Menschen, die mit harter Musik in Kontakt kommen, wurde mir dieser Kontakt im Laufe der Zeit doch schon nicht unerheblich auch vom Metallica-Sound geprägt. Diese Zeit ist allerdings schon eine ehrliche Weile her und das Hörerlebnis verklärte sich so im Laufe der Zeit. Wenn ich heute "Kill Žem all" oder so anhöre, ist das eine ähnliche Erscheinung wie z.B. die mit alten Amiga-Computerspielen, die man als umwerfend in seiner Erinnerung hat, aber wenn man dann per Zufall einen solchen Schatz vergangener Tage mal wieder in die Hände bekommt, ist das ein ganz schöner Schock. Um so mehr von Ungewissheit erfüllt war ich nun nach gehörig langen metallicafreien Jahren, wieder eine neue Scheibe in den Händen zu halten und um so schwieriger ist es, hier ein objektiven Bericht abzuliefern.
Das letzte richtige Studioalbum von Metallica erschien 1997 und hieß "Reload". Dieses und sein Vorgänger "Load" markierten eine gewisse Abkehr vom Metallica-Sound der Vergangenheit, die mit dem vielzitierten "schwarzen" Album begonnen hat. Hier wurde nicht mehr drauflosgeprügelt, sondern mit "Nothing else matters" gab es eine Ballade, "Load" war sehr beeinflusst vom damals gerade angesagten Seattle/Grunge-Sound. "Reload" war dann dem Vernehmen nach nicht Fisch, nicht Fleisch, habe es aber selbst nicht erlebt. Dazwischen liegen Versuche, die Band oder das, was man als solche noch bezeichnen konnte, am Leben zu erhalten. Aufnahmen mit einem Orchester haben die Befürchtung genährt, es könne eine unplugged-Scheibe folgen. Dazu kommt der Wechsel am Posten des Bassspielers. Man konnte also durchaus den Eindruck gewinnen, dass es um Metallica nicht zum besten stand und ein weiteres Album zukunftsweisend sein dürfte. Mit St. Anger liegt nun das jüngste Lebenszeichen vor. Metallica präsentieren auf den 11 Tracks einen Befreiungsschlag, der in der Lage sein dürfte, dem Ansehen der Band eine Frischzellenkur zu verpassen. Der Albumtitel deutet es bereits an: die Herren haben viel aufzuarbeiten. Die Songs sind allesamt sehr rythmusbetont, metaltypische Gitarrensoli kommen meines Erachtens nicht vor, und durch und durch heavy. Die Drums poltern los, mit der Bassdrum wird nicht gegeizt und flotte Knüppelparts werden auch häufig eingebaut. Hier und da kann man auch den ein oder anderen Punkeinfluss heraushören. Dazu kommt der Hetfield-typische Gesang, der vom melodiösen Refrain bis zum Geschrei eine ziemliche Bandbreite abdeckt. Insgesamt also eine unerwartet heftige Scheibe. Als Coverart kommt ein ordentliches Pushead-Cover zum Einsatz und jugendfrei ist hier auch nichts. Eine Ballade sucht man vergeblich und mit 75 Minuten Spielzeit bei 11 Songs enthält die Scheibe keinen Song, der sich für die MTV-Vermarktung aufdrängen würde. Insgesamt erinnert mich die Scheibe in ihrer Art der Weiterentwicklung für Metallica an Sepulturas "Chaos A.D.", mit dem damals auch die Knüppelorgien alter Tage beendet wurden und eine neue Marschrichtung gesucht und überaus erflogreich gefunden wurde. Metallica ist für meine Begriffe eine ähnliche Großtat gelungen. Ich prophezeie der Platte einen bedeutenden Status in Metallerkreisen und mit Metallica ist wieder zu rechnen. Natürlich darf man nicht übersehen, dass es sich hier in erster Linie um Metal handelt, wenn auch modernen. Trotzdem sind mit 15 geknüppelte Songs in 30 Minuten lieber und ein guter Teil meiner Begeisterung basiert sicher auch auf Nostalgie. Mit diesen Einschränkungen Daumen hoch für Metallica.
Die erste Auflage des Albums kommt digiverpackt mit einer Bonus-DVD daher (die allerdings ziemlich sinnlos ist) und einem Zugangscode zu einer speziellen Download-Sektion, der noch sinnloser ist.
(Elmar)
Band #1
Band #2
MP3 Downloads:
auf der St.-Anger-Seite gibt es kurze Ausschnitte im real/winmedia-Format
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