cover demnächst Blood Brothers - "burn piano island, burn"
Bewertung:
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Label:

Artist Direct

Released:
18.3.2003

Der Opener "guitarmy" dauert genau 37 Sekunden. Ich bin sofort völlig baff und ich weiss, so irren Menschen habe ich das letzte mal zugehört, als Amphetamime Reptile Anfang der 90er die Cows oder die God Bullies am Start hatte. Und ich fand sowas auch damals zum letzten mal gut. Bis jetzt. Musikalisch passt der Vergleich mit den Noise-Rock Heroen von damals allerdings überhaupt nicht, denn die Blood Brothers kennen sich besser im Hardcore aus. Wie von der Tarantel gestochen knüppeln und winden sich die Brüder erstmal durch 5 zuckende, schwindelerregende Songs, halten dann 1,5 Songs lang inne ("the shame", "denver max") und dann geht es wieder los. (Post-) Hardcore mit agressivem Gekreische, aber immer mit Melodien, innehaltend um dann wieder völlig abzudrehen. Müssen auf der Bühne ganz schöne Derwische sein, diese jungen Herren aus Seattle, denke ich. Das ist echt kranker Stoff. Ich möchte es als New-School-Postcore-Rock bezeichnen. Erstaunlicherweise wirkt die Musik auf mich weniger anstrengend, als der sonstige New-School-Kompelxcore. Das liegt daran, dass die Jungs es hinkriegn den Songs irgendwie immer Melodie zu verleihen. Wieder und wieder formt der Wahn zugängliche Parts, ja richtig poppige Melodien, die rocken, grooven, abgehen. Auch wenn das Wort ‚Pop' im zusammenhang mit dieser Band so gar nicht passt. Nie richtig lange, aber lange genug, um mich in verwunderter Begeisterung zurückzulassen. Klavierparts, weiblicher Gesang, Offbeat-Gitarren, Synthesizer, düstere ruhigere Passagen. Wahrscheinlich hätten andere daraus 4 Platten gemacht, die Blood Brothers machen daraus ein fantastisches Chaos. Das klingt als seien Drive like Jehu zusammen mit Jr Ewing verrückt geworden, oder als hätten sich At the Drive-In reformiert, weil sie festgestellt hätten, dass sie nie krass genug abgegangen sind. Hier atmet Wahnsinn und Genie. Und Energie. Ich muss festhalten: der Grat zwischen völlig unzugänglich und Rockmusik kann noch so dünn sein, diese Band schreitet, nein, stürmt ihn mit traumwandlerischer Sicherheit entlang. Unglaublich. Wenn die mit diesem Album nicht völlig abgefeiert werden, dann weiss ich auch nicht. Zumal Ross Robinson (At the Drive-In, Glassjaw, Slipknot, Limp Bizkit) die Scheibe Produziert hat. Der allein ist ja schon ein Garant für kommerziellen Erfolg. Hatte ich schon gesagt, dass ich's großartig finde?
(reviewed by S)

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